Geschichte

Geschichte

«Aus Geist und Hand das Schöne schaffen»,

 

so lautete der Wahlspruch von Fida Lori, der ersten Leiterin der Tessanda. In dieser Tradition ist die Tessanda nun fast 90 Jahre alt geworden. Und in jugendlicher Frische gibt sie sich alle Mühe, auch noch älter zu werden!

 

Natürlich begann das Handweben im Münstertal nicht erst vor 90 Jahren. Man nimmt an, dass das Münstertal seit der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v.Chr.) besiedelt ist. Diese Menschen dürften bereits selbstgewobene Textilien getragen haben. Das älteste Zeugnis besitzen wir allerdings erst aus der Zeit um 830 n.Chr. Freskenmaler hatten damals in der UNESCO Weltkulturerbe Klosterkirche von Müstair das komplizierte Flechtbandmuster vorgezeichnet. Dabei haben sie im weichen Malputz nicht nur Fingerabdrücke hinterlassen, sondern auch das Textilmuster eines handgewobenen Ärmels, übrigens eine Köperbindung.

 

Bis um die Jahrhundertwende stand praktisch in jedem Münstertaler Bauernhaus ein Webstuhl, und jede Familie hatte ein kleines Flachsäckerlein und einen «puoz», einen Teich zum Rotten oder Rösten der Flachsstengel. Bevor diese jahrhundertalte Tradition des Handwebens dann gänzlich verschwand, hat sie der initiative und sozial engagierte Pfarrer von Sta. Maria, Rudolf Filli (1876–1962), wie zur selben Zeit in der ganzen Schweiz durch das Heimatwerk, institutionalisiert. Als erste Leiterin der Tessanda berief er 1928 Fida Lori (1897–1952), die mit ihrem idealistischen Gedankengut die Tessanda ganz nachhaltig geprägt hat.

Ungezählte Münstertalerinnen fanden dann in der Tessanda eine Ausbildung (ab 1949 nach BIGA- Reglement an der Berufsschule in Sta. Maria) und ein bescheidenes Einkommen. Aber die Tessanda diente auch der Selbstversorgung: Der «Wäscheschatz einer Bündner Braut», einer Weberin aus Valchava, erhielt einen Ehrenplatz an der «Landi» 1939 in Zürich.


Ida Rothenberger Pfenninger (*1913) leitete von 1952–1967 die Geschicke der Tessanda, die sich in dieser Zeit als Stiftung konstituiere und 1959 ihr eigenes Haus beziehen konnte.


1968 wird Reingard Neunhoeffer (*1940) die dritte Leiterin der Tessanda, bis 2003. Sie sieht sich vor grosse Herausforderungen gestellt. Der Absatz stagniert oder geht zurück. Alle grösseren Handwebereien der Schweiz schliessen. Die Muster sind ausser Mode gekommen – die junge Generation weiss mit Handgewobenem nichts anzufangen. Wollte man die Tessanda, welche sich in der Zwischenzeit in einer markanten finanziellen Schieflage befand, retten, so hiess es ab 2006 eine neue Ära einzuleiten. Der Stiftungsvorstand wurde vollends erneuert und verjüngt.